„Alle lernen in einer Klasse“

am 10.10.2012 um 19:30 Uhr, in der EV.STADTKIRCHE OFFENBACH

Gesprächsrunde zum inklusiven Unterricht

Eine Lehrerin und eine Mutter, die beide aus eigener Erfahrung erzählen können, wie Inklusion in der Praxis funktionieren kann.

Verena Middendorf lebt mit ihrer Familie in Linsengericht. Sie hat zwei Kinder, eines benötigt sonderpädagogische Förderung. So bestand früh die Notwendigkeit, sich mit dem Thema Förderschule oder Inklusion auseinanderzusetzen. Das, was sie für ihren Sohn eingefordert hatte, nämlich Gemeinsamen Unterricht, setzte sie auch bald bei der eigenen Arbeit in die Tat um. Sie nimmt seit Jahren als Lehrerin Kinder mit erhöhtem Förderbedarf, meist Kinder mit Down-Syndrom, in ihre Klasse auf, um sie gemeinsam mit den übrigen Grundschülern bis zur vierten Klasse zu unterrichten. Zur Seite steht ihr dabei regelmäßig eine Fachkraft, bzw. ein Integrationshelfer, die das eigens für den speziellen Förderbedarf zusammengestellt Material mit dem Kind durchgeht oder auch dann helfen kann, wenn es beim gemeinsamen Unterricht mal schwieriger ist. Dennoch sind und waren alle diese Kinder in die Klassengemeinschaft eingebunden, sie lernen zusammen und helfen sich gegenseitig, sei es im Sport, in Musik oder im Kunstunterricht.

Enisa Djubo ist ebenfalls Mitglied der Elterninitiative und lebt mit ihrer vierköpfigen Familie in Bieber. Ein Kind hat das Down-Syndrom. Das Mädchen musste gegen den Willen der Eltern in die Schule für Praktisch Bildbare, da die Grundschule nicht die nötigen Stunden des sonderpädagogischen Förderunterrichts anbieten konnte. Sarah fühlte sich dort aber unterfordert, sie will und kann mehr lernen. Zum Wechsel in die weiterführende Schule bot sich nun endlich die Chance auf Gemeinsamen Unterricht. Seit Beginn dieses Schuljahres besucht Sarah nun die ortsnahe Realschule. Sie erhält Unterstützung durch eine Fachkraft, die ihr bei den Hauptfächern (Deutsch, Mathe, Englisch) zur Seite steht und den speziell für sie erstellten Lehrstoff mit ihr erarbeitet. In den übrigen Fächern lernt sie mit der Klasse gemeinsam. Sarah wurde vom ersten Augenblick gut in die Klasse aufgenommen und sogar zur stellvertretenden Klassensprecherin gewählt.

 

Inklusion ist sehr wohl möglich und realistisch. Doch sie erfordert allgemeines Umdenken.
Verena Middendorf erklärt in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau: „Da sind die Ängste mancher Lehrer und Eltern. Aber es gibt an jeder Schule auch ein oder zwei Lehrkräfte, die sich für die Inklusion offen zeigen. Ich frage mich manchmal: Warum fangen wir, die Gesellschaft, nicht mit diesen Pädagogen an, um das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kinder zu einer Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Die Idealbedingungen für einen Anfang wird es nie geben, deshalb müssen wir einen Minimalkatalog fordern und darin muss der Elternwunsch an oberster Stelle stehen. Geld für zusätzliche Lehrer als Integrationshilfe darf hierbei nicht zu einem Hindernis werden.“

 

 

MITTWOCH, 10. OKTOBER 2012, 19.30 UHR,

in der EV.STADTKIRCHE OFFENBACH, Herrnstraße 44, 63065 Offenbach

 


 

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