{"id":85,"date":"2012-11-18T01:59:09","date_gmt":"2012-11-18T00:59:09","guid":{"rendered":"http:\/\/netzwerk-inklusion.org\/offenbach_stadt\/?p=85"},"modified":"2018-06-14T01:18:54","modified_gmt":"2018-06-13T23:18:54","slug":"inklusion-in-offenbach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadt.inklusion-of.de\/?p=85","title":{"rendered":"Inklusion in Offenbach"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: medium;\"><strong>ein paar Zahlen und Fakten anl\u00e4\u00dflich des Besuchs von Frau Staatsministerin Nicola Beer am 14. November in der Wilhelmschule und am 16. November in der Waldschule in Offenbach<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><span style=\"font-size: medium;\">Im Schuljahr 2012\/2013 haben bisher <strong>378<\/strong> <strong>F\u00f6rderaussch\u00fcsse<\/strong> insgesamt stattgefunden, doch gerade mal <strong>148 Kinder werden inklusiv beschult. <\/strong>Nicht dazugez\u00e4hlt sind die noch laufenden Verfahren, bzw. die neu angemeldeten Verfahren auf \u00dcberpr\u00fcfung des sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderbedarfs. (Quelle: Staatliches Schulamt)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Der <strong>Haupttf\u00f6rderbedarf<\/strong>, weshalb Kinder auf die Sonderschulen geschickt werden, liegt im Bereich Lernen, Sozial-emotionale Entwicklung und Sprache. Schulen mit diesen F\u00f6rderschwerpunkten gibt es im Ausland \u00fcberhaupt nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Die durchschnittliche Anzahl von <strong>F\u00f6rderstunden an Regelschulen<\/strong> liegt in diesem Schuljahr hessenweit bei durchschnittlich 4,3 Stunden pro Kind und hat sich somit seit der Einf\u00fchrung des neuen Schulgesetzes verschlechtert. (Quelle: LAG, Gemeinsam lleben &#8211; gemeinsam lernen e.V.)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><span style=\"font-size: medium;\">Beispiel:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Waldschule,<\/strong> Kreis OF (368 Sch\u00fcler):<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-size: medium;\">7 Stunden BFZ-Beratung<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: medium;\">65 Stunden BFZ-Unterricht<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Dezentrale Schule: 7 Stunden (Beratung und Unterricht)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">es gab 5 F\u00f6rderaussch\u00fcsse, es gibt jedoch einen Bedarf f\u00fcr <strong>30 <\/strong>weitere!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><span style=\"font-size: medium;\">ein positives Beispiel soll hier nicht unerw\u00e4hnt bleiben:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Sonnentauschule<\/strong> (214 Sch\u00fcler):<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-size: medium;\">BFZ-Beratung:\u00a0\u00a0 5<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: medium;\">BFZ-Unterricht: 49<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">es gab keine F\u00f6rderaussch\u00fcsse, alle Kinder werden inklusiv beschult!<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-size: medium;\">(Quelle, GEW, Kreis Offenbach, Stand 31. 10.2012)<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Eine Befragung von Grundschulen durch die GEW im Kreis Offenbach zeigte, da\u00df die F\u00f6rderaussch\u00fcsse einen hohen zeitlichen und b\u00fcrokratischen Aufwand f\u00fcr Vorgespr\u00e4che und Organisation seitens der einberufenden Schule erfordern Die Klassenlehrer, die i.d.R. f\u00fcr die praktische Durchf\u00fchrung verantwortlich sind, unterliegen einer starken emotionalen Belastung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Grundsschulleiter bzw. Klassenlehrer, die nicht wissen, wie oder woher sie die n\u00f6tigen Vorkehrungen f\u00fcr die ad\u00e4quate Beschulung des Kindes mit erh\u00f6htem F\u00f6rderbedarf erhalten k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Beschulung eines solchen Kindes an der Regelschule wegen mangelnder F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten ablehnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">IGEL-OF e.V. schildert die Problematik aus der Sicht der Eltern: Sie sehen sich einer Mehrheit aus P\u00e4dagogen und Schulbeh\u00f6rde gegen\u00fcber und stehen ebenfalls unter extremer emotionalen Anspannung und sind oft v\u00f6llig verunsichert. Gerade Eltern mit Migrationshintergrund verstehen die Vorgehensweise oft nicht richtig oder trauen sich nicht, mit einem klaren Nein dem Votum von Lehrerseite zur Beschulung ihres Kindes in der Sonderschule entgegenzutreten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Auch finanziell k\u00f6nnen solche Eltern sich das juristische Verfahren, das ihrem Einspruch gegen die Zuweisung an die Sonderschule unweigerlich folgen mu\u00df, oft nicht leisten. Die Klage gegen die Schulbeh\u00f6rde ist jedoch bei Zuweisung an die Sonderschule die einzige M\u00f6glichkeit, einen Platz f\u00fcr das Kind an der Regelschule zu erstreiten und damit auch die n\u00f6tigen Ma\u00dfnahmen zu einer hochwertigen Beschulung zu erhalten. Einen individuellen Anspruch auf Beschulung in der Regelschule sieht das hessische Schulgesetz noch nicht vor.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Die F\u00f6rderaussch\u00fcsse\u00a0 haben wie beide Seiten, Eltern und Grundschulehrer, berichten, eine sehr lange Vorlaufzeit. Diese b\u00fcrokratisch langfristige Abwicklung steht jedoch der Tatsache entgegen, da\u00df viele der betroffenen Kinder sofort und unmittelbar Hilfe ben\u00f6tigen. W\u00e4hrend des gesamten Verfahrens mu\u00df der Klassenlehrer, die Probleme des Kindes im laufenden Unterricht alleine bew\u00e4ltigen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Daneben gibt es noch eine Reihe von ungekl\u00e4rten Altf\u00e4llen, bei denen F\u00f6rderaussch\u00fcsse derzeit gar nicht zustande kommen. Diese Kinder gehen in unserem derzeitigen Schulsystem regelrecht unter, ihren Bed\u00fcrfnissen kann nicht entsprochen werden und oft sorgt dies wieder selbst f\u00fcr eine hohe Belastung des Unterrichtsklimas.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Das neue Schulgesetz legt die inklusive Beschulung in der allgemeinen Schule als Regelfall fest.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Praktisch l\u00e4\u00dft sich jedoch eine Verschlechterung der Situation an den Schulen gegen\u00fcber dem vormals praktizierten Gemeinsamen Unterricht feststellen. Viele Kinder werden ohne ausreichende Ma\u00dfnahmen beschult. Die mangelnde Anbindung der F\u00f6rderlehrer, die nur stundenweise vom F\u00f6rder- und Beratungszentrum an die Regelschule kommen, wird von den betroffenen Lehrerteams beklagt. Ist einer der zust\u00e4ndigen F\u00f6rderlehrer krank, steht der Lehrer der Regelschule ohne Ersatz da, Ersatz bzw. ein ausreichender Personalschl\u00fcssel ist vom Schulgesetz nicht vorgesehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Fehlende Klassenobergrenzen erschweren es dem Lehrer, individuell auf jedes Kind einzugehen. Die Klassenobergrenze in der Grundschule liegt derzeitig bei 25 Kindern, in h\u00f6heren Jahrg\u00e4ngen und aufgrund der hohen Kinderzahl bei gleichzeitiger akuter Raumnot gibt es im Stadtgebiet Offenbach Klassengr\u00f6\u00dfen von 27 Kindern.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Fehlendes Material und die mangelnde Qualifikation f\u00fchren bei vielen Lehrern zu einer hohen Verunsicherung bis hin zur Ablehnung, Inklusion umsetzen zu wollen. Bis heute gibt es vom\u00a0 Kultusministerium keine konkreten Pl\u00e4ne zur zuk\u00fcnftigen Lehrerausbildung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Sowohl die Lehrer im Regelschulbetrieb als auch die F\u00f6rderlehrer wurden bisher nicht auf den Einsatz im inklusiven Unterricht ausgebildet. Eltern stehen oft sprachlos vor den Toren der Grundschule, wenn die dortigen Direktoren die Anmeldung ihres Kindes mit erh\u00f6htem F\u00f6rderbedarf ablehnen, mit der Begr\u00fcndung, man habe keine Erfahrung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Und doch ist <strong>Inklusion ein Menschenrecht<\/strong>, das Recht auf inklusive Beschulung fand gem\u00e4\u00df UN-Behindertenrechtskonvention Eingang in das neue hessische Schulgesetz.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Jetzt mu\u00df Inklusion auch wirklich umgesetzt werden! <\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Deshalb fordert das Netzwerk f\u00fcr Inklusion von Frau Kultusministerin Beer:\u00a0 <\/strong><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-size: medium;\">die Zahl der Lehrkr\u00e4fte (F\u00f6rderlehrer) bedarfsgerecht zu erh\u00f6hen.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: medium;\">alle n\u00f6tigen Sachmittel bereitzustellen, damit die Voraussetzungen f\u00fcr Inklusion geschaffen werden k\u00f6nnen.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: medium;\">Qualifikations- und Weiterbildungsma\u00dfnahmen f\u00fcr Lehrer im Sinne der Inklusion anzubieten.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: medium;\">Inklusion mu\u00df unverz\u00fcglich Teil der Lehrerausbildung werden.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: medium;\">Reduzierung der Klassenobergrenzen bei gleichzeitiger Erh\u00f6hung der individuellen F\u00f6rderstunden<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: medium;\">sicherzustellen, dass in der \u00dcbergangszeit keine Verschlechterung der Qualit\u00e4t der bereits integrativ bzw. inklusiv arbeitenden Einrichtungen eintritt.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ein paar Zahlen und Fakten anl\u00e4\u00dflich des Besuchs von Frau Staatsministerin Nicola Beer am 14. 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